"Ich möchte zu Hause sterben"

Ich möchte zu Hause sterben, im Kreise meiner Lieben, möglichst ohne Schmerzen oder quälende Beschwerden… So wünschen sich die meisten Menschen ihre letzte Lebenszeit.

Manchmal darf es dann so sein, manchmal wird es ganz anders. Häufig ist das Zu Hause ein Seniorenheim.

Um Familien zu ermutigen, ihre Angehörigen auch im Sterbeprozess zu begleiten und zu betreuen, bedarf es in der Regel einiger Hilfsangebote und Dienstleistungen, die unterstützen und entlasten können. Dazu zählt u. a. auch ein ambulanter Hospizdienst.

In Erfurt gibt es seit 1992 in Trägerschaft des Malteser Hilfsdienstes die Ökumenische Hospizgruppe. Derzeit widmen ca. 35 Frauen und Männer aus ganz unterschiedlichen Berufs- und Altersgruppen einen Teil ihrer freien Zeit Schwerstkranken, Sterbenden und deren Angehörigen, wenn diese es wünschen. Meist tragen eigene Erlebnisse im privaten oder beruflichen Umfeld dazu bei, sich in der Hospizarbeit zu engagieren und Menschen im Prozess des Lösens aus ihren Beziehungen und Bindungen beizustehen oder aktiv Hilfe zu vermitteln, wenn belastende Begleiterscheinungen auftreten. Oft entstehen dabei sehr intensive menschliche Kontakte. Die ehrenamtlichen Hospizmitarbeiter erfahren in einem umfangreichen Vorbereitungskurs, regelmäßigen begleitenden Supervisionen und Fortbildungen Unterstützung und Stärkung für diese Aufgabe und verpflichten sich zur Verschwiegenheit.

Hilfreich im Prozess des Sterbens sind Menschen, die selbst einen guten Stand im Leben haben, ihre eigenen Grenzen kennen und die der anderen respektieren, die offen sind für den Kontakt mit verschiedensten Lebenskonzepten oder Weltanschauungen und wertschätzend den zu begleitenden Menschen begegnen.

Angefragt wird unser Dienst von Betroffenen, deren Angehörigen, von Hausärzten, Krankenhausmitarbeitern, Pflegediensten oder Mitarbeitern von Seniorenheimen, Beratungsstellen usw.

In der Regel führe ich als Koordinatorin einen Erstbesuch zu Hause, im Seniorenheim oder im Krankenhaus durch, um die Menschen und deren aktuelle Lebenssituation kennen zu lernen  und über Vorstellungen und Wünsche zu sprechen bzw. über unsere konkreten Angebote zu informieren. Wir arbeiten dabei eng sowohl mit den vor Ort pflegenden Personen und Diensten als auch mit den Palliativstationen der Stadt oder Stationären Hospizen zusammen. Nach diesem ersten Kontakt vermittle ich eine/en ehrenamtlichen Hospizmitarbeiter, die/den ich für geeignet für diese Begleitung halte. Wichtige Basisinformationen helfen der/dem BegleiterIn sich schnell auf die Situation und Bedürfnisse des Betroffenen einzustellen. Dabei ist es genauso wichtig über Hobbys oder Lieblingsbeschäftigungen bescheid zu wissen wie über das Krankheitsbild oder die soziale Einbindung des jeweiligen Menschen. Wie oft Besuche stattfinden und wie diese inhaltlich gestaltet werden, besprechen die Ehrenamtlichen vor Ort in der ganz konkreten Situation. Dabei ist häufig Flexibilität gefragt, denn das Befinden eines kranken Menschen kann von heute auf morgen völlig verändert sein. Auch eine kurzfristige Absage, weil der schwerstkranke oder sterbende Mensch vielleicht heute lieber allein sein möchte, ist uns vertraut.

Natürlich bieten wir auch unsere Nähe an, wenn ein Mensch direkt im Sterben liegt und von Ängsten und Unruhe geplagt wird. Dann kann es tröstlich sein, eine Hand zu halten, vorgelesen zu bekommen oder einfach still beieinander zu sein. Angehörige können zur Ruhe kommen, wenn sie erfahren, welche Veränderungen im Sterben auftreten können und welche Möglichkeiten des Umganges sie damit haben. Oft verhindern unausgesprochene Ängste die Präsenz naher Angehöriger am Krankenbett. Darüber sprechen zu dürfen oder nicht mit der Situation allein gelassen zu sein, kann ermutigen und wertvolle und intensive Erfahrungen ermöglichen.

Ein wichtiges Anliegen ist unseren Hospizmitarbeitern, die Hilfestellung beim Abschied zu gestalten. Im Gespräch mit den betroffenen Familien zeichnen sich häufig mögliche Formen ab, bei deren Umsetzung wir gern unterstützen. Wissen doch viele aus ihren Erfahrungen im Umgang mit trauernden Menschen, wie wichtig es für die Trauerbewältigung ist, die Möglichkeit zu haben, Abschied zu nehmen, zu begreifen, dass der nahe Mensch nun tot ist. Rituale und auch praktische Informationen können oft sehr hilfreich in diesem Prozess unterstützen.

Resultierend aus der Begleitung Sterbender entwickeln sich seit einigen Jahren verschiedene Angebote zur Trauerbegleitung.

Neben der Kontaktgruppe für früh verwaiste Eltern, der Selbsthilfegruppe trauernder Eltern und dem Gesprächskreis trauernder Witwen gibt es auch das Angebot für Einzelgespräche und -begleitungen. Mehr über diese Angebote erfahren Sie auf Anfrage in unserem Hospizbüro.

Einmal im Jahr erinnern wir uns an die begleiteten Verstorbenen in einem Gedenkgottesdienst, zu dem wir auch die Angehörigen einladen.

Auf Anfrage sind wir bei der Erstellung einer Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht behilflich. Alle unsere Dienste sind unentgeltlich. Über eine angemessene Spende für die Unterstützung unserer Arbeit freuen wir uns.

Kooperationen verbinden uns mit der Palliativstation am KKH Erfurt, dem Darmzentrum am KKH Erfurt, dem Onkologischen Zentrum am HELIOS- Klinikum und dem Pflegedienst der Caritas.

Hospiz-Vorbereitungskurs

Sterbende begleiten lernen

Hospiz-Vorbereitungskurs sensibilisiert für den Umgang mit Betroffenen und informiert über Sterben, Tod und Trauer

"Sterbende begleiten lernen", lautet die Überschrift eines Vorbereitungskurses für  Ehrenamtliche in der ambulanten Hospizarbeit. Dieses Konzept umfasst Grund- und Aufbaukurs sowie ein mehrmonatiges Praktikum.

Ziel des Kurses soll es sein, Sensibilität für den Umgang mit Betroffenen zu entwickeln, Informationen zu den Themen Sterben, Tod und Trauer zu erhalten, dem eigenen Umgang mit den Grenzen des Lebens nachzuspüren und eine wertschätzende Haltung dem Sterbenden gegenüber zu erarbeiten.

Einen vorbereitenden Fragebogen zur Bewerbung und weitere Auskünfte erhalten Interessenten auf Anfrage bei der Koordinatorin  der Ökumenische Hospizgruppe beim Malteser Hilfsdienst e.V. in der Diözesangeschäftsstelle in der August-Schleicher-Str. 2.


Kontakt

Britta Kordon
Koordinatorin Hospizarbeit

Ökumenische Hospizgruppe Erfurt beim Malteser Hilfsdienst e.V.
August- Schleicher- Str.2
99089 Erfurt

Tel.: 0361/ 3 40 47 80/ 81
Fax: 0361/ 3 40 47 11
Email:britta.kordon[at]malteser.org
Mobil: 0170/ 7 66 24 61