Hospizarbeit – was ist das?

Hospiz ist lateinischen Ursprungs, hospitium bedeutet Gastfreundschaft, Herberge. Früher waren Hospize von christlichen Mönchen errichtete Gebäude zur Übernachtung und um Schutz und Hilfe für in Not Geratene zu gewähren. Hospize mit dieser Bestimmung gibt es noch heute in den Alpenländern, vor allem in der Schweiz. Die Grundidee wurde von der Engländerin Cicely Saunders in den 1960er Jahren aufgegriffen und umgesetzt mit der Gründung eines Hospizes zur Aufnahme und Pflege Sterbender und ihrer Angehörigen. Daraus hat sich die Hospizbewegung entwickelt, die sich auch in Deutschland ausgebreitet hat und die versucht, eine Antwort zu geben auf die Sprach- und Ratlosigkeit unserer modernen Zivilisationsgesellschaften, die Sterben und Tod an den Rand drängen, sehr zum Nachteil der Betroffenen. Inzwischen scheint aber eine Trendwende im Umgang mit sterbenden Menschen in Gang gekommen zu sein. Die Namen der Psychiaterín Dr. Elisabeth Kübler-Ross und der Ärztin und Sozialarbeiterin Cicely Saunders stehen dafür.

Hospizarbeit ist nicht nur in Zusammenhang zu bringen mit unheilbar an Krebs erkrankten Menschen, sie dient genauso Kranken, die aus anderer Ursache, z.B. einer schweren Herzerkrankung im Endstadium, ganzheitliche Zuwendung und Hilfe brauchen. Zur palliativmedizinischen Versorgung Sterbenskranker gibt es enge Beziehungen. Palliativversorgung ist medizinische Versorgung unheilbar Kranker, die nicht mehr auf Heilung ausgerichtet ist, sondern auf die bestmögliche Linderung der Beschwerden.
Nach dem Palliativmediziner Prof. Dr. Christoph Student gibt es 5 Kennzeichen des Hospizkonzeptes ganzheitlicher Sterbe- und Trauerbegleitung:

  1. Der Kranke und seine Angehörigen stehen im Zentrum des Dienstes: Es geht um den einzelnen Menschen mit seinen individuellen Bedürfnissen auf allen Ebenen (z. B. der körperlichen, der psychischen, der sozialen und der spirituellen Ebene). Der Mensch wird als soziales Wesen betrachtet und seine Angehörigen und nahen Bekannten werden grundsätzlich mit einbezogen.
  2. Die Unterstützung erfolgt durch ein interdisziplinäres Team: Die Arbeit geschieht in einem interdisziplinären Team aus Ärzten, pflegendem Personal, Seelsorgern, Sozialarbeitern, Krankengymnasten, Psychologen und evtl. weiteren
  3. Die Einbeziehung freiwilliger Begleiterinnen und Begleiter: In die Arbeit werden freiwillige, d.h. ehrenamtliche Helfer einbezogen. Sie dienen der Einbeziehung des Sterbenden und des Sterbens in den Alltag und damit in das Leben und in die Gesellschaft
  4. Palliative care (Sorge für Schmerzfreiheit und Lebensqualität) statt medical care (auf Heilung gerichtete Behandlung): kurz heißt das: Lebensqualität statt Lebensquantität. Das Team der Helfenden verfügt über gründliche Kenntnisse in der Symptomkontrolle (Palliativmedizin (Palliative Care), insbesondere der Schmerztherapie, aber nicht nur).
  5. Kontinuität der Fürsorge und Trauerbegleitung: Die Kontinuität der Hilfen ist gesichert: Dies bedeutet, dass das Hilfsangebot rund um die Uhr zur Verfügung steht. Es bedeutet zudem, dass den Hinterbliebenen auch noch nach dem Tod ihres Angehörigen Unterstützung (Trauerbegleitung) angeboten wird.

Ziel und Aufgabe von Hospizarbeit ist es hauptsächlich, auf geeignete Weise das Sterben zu Hause und in Geborgenheit zu ermöglichen. Das setzt die Schaffung einer Infrastruktur voraus, mit der auf die jeweiligen Bedürfnisse in der letzten Lebensphase angemessen reagiert werden kann. Hierzu gehören u.a.:

  • Ambulante Einrichtungen wie Hospizgruppen und Hospizinitiativen, die sterbende Menschen zu Hause oder in Einrichtungen begleiten
  • Ambulante und Stationäre Hospize
  • Palliative Pflegedienste
  • Palliativstationen
  • Hospiz- und Palliativverbände, wie z.B. der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband e.V. (www.hospiz.net) Kirchliche Verbände wie Caritas und Diakonie, Malteser- und Johanniter- Hilfsdienst als Träger entsprechender Einrichtungen